Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 29.01.2021


Viele, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.

Daniel 12,2

Der Streit ist so alt wie das Christentum. Kommen alle in den Himmel oder gibt es einen zweifachen Ausgang der Geschichte, gibt es Himmel und Hölle? Für beide Positionen gibt es viele Bibelstellen, auf die sich der eine oder andere berufen kann.
Schaut man sich die gewaltigen Bilder des Mittelalters wie des Malers Hieronymus Bosch (1450-1516) oder von Martin Schongauer (1450-1491) im Breisacher Stephansmünster an, so war es die Zeit drastischer Darstellungen von Himmel und Hölle. Es gibt also den zweifachen Ausgang.
Blickt man heute in die Texte großer Theologinnen und Theologen entsteht der Eindruck, dass es am Ende nur noch den Himmel und die Versöhnung für alle gibt, die Allversöhnung. Es wird zwar nicht gelehrt, so heißt es immer wieder, aber das andere vom zweifachen Ausgang auch nicht gedacht.
Der Spruch aus dem Buch Daniel verweist auf einen zweifachen Ausgang des Lebens und dieser Welt: „Die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.“
Könnte es sein, dass wir aus der Spannung zwischen beiden nicht rauskommen und es jetzt unsere Aufgabe ist, von Gottes Gnade zu reden und Menschen einzuladen, diesem Gott zu vertrauen?
Dietrich Bonhoeffer hat es mal in seiner Schrift Nachfolge drastisch auf den Punkt gebracht und die Aufgabe der Verkündigung wie folgt beschrieben:
„Sie melden den Anbruch des Gottesreiches, sie rufen zur Umkehr und zum Glauben. … ‚Heute, so ihr seine Stimme höret, so verstocket eure Herzen nicht!’ (Hebr. 4,7). Das ist evangelische Predigt. Ist das unbarmherzige Hast? Nichts ist unbarmherziger, als den Menschen vorzuspiegeln, dass sie noch Zeit hätten zur Umkehr.“
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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