Fastenspeise in schwierigen Zeiten 25.02.2022

Fassungslos verfolge ich gestern die Nachrichten.

Bis tief in die Nacht hinein höre ich auf Nachrichten, Kommentare und Einschätzungen. Ich bin nicht allein. Politiker wie Analysten bekennen schier einmütig, dass wir einer Illusion aufgesessen waren. Unser Ansatz von Demokratie und Frieden durch Wirtschaftsbeziehungen ist gescheitert. Das gefeierte Ende des kalten Krieges führte zu einem Ungleichgewicht der Bedrohungen und Partikularinteressen, in dessen Folge wir einen weiteren Krieg in Europa haben, der nicht von wenigen mit dem Ende einer europäischen Friedensordnung nach dem 2. Weltkrieg gleichgesetzt wird. Und die vom Grundgesetz her verbürgte eigene Verteidigung leidet unter einem „gnadenlosen Mangel“ (ZEIT).

Wir kommen aus dem Krisenmodus nicht raus. Flüchtlings-, Klima-, Coronakrise – die Nennung von Krisen ließe sich schier unendlich fortführen. Psychologen sprechen in diesen Krisenzeiten von einer Zunahme von Fällen mit „worry burnout“ (frei übersetzt „ausgebrannt aufgrund von Sorgen“), einem Erschöpfungszustand durch übermäßige Sorgen. Denn Sorgen kosten Kraft. Zu viele Sorgen führen zu Erschöpfungserscheinungen. Wir haben eine Gleichzeitigkeit von Krisen mit ihren ganz eigenen Herausforderungen und Turbulenzen.

Damit verbunden ist auch das Ende eines Versprechens moderner Zeiten, dass wir mit der Vermessung der Welt diese auch kontrollieren können. Wir erleben in vielen Bereichen, dass uns die Kontrolle entgleitet, dass an die Stelle von menschlicher Kontrolle menschliches Unvermögen und menschliche Unverfügbarkeit treten. Auch das Versprechen des deutschen Wirtschaftsaufschwungs, Wohlstand und Fortschritt durch Leistung, ist verblasst.

Selbst unsere innigen Gebete um Frieden in Gottesdiensten und zu Hause, die uns in den letzten Tagen begleitet haben, haben – so müssen wir schmerzhaft erkennen – den Krieg und damit die Bedrohung ganz Europas und der Welt nicht aufhalten können.

Doch lassen Sie uns am Gebet festhalten – am Gebet für den Frieden und an der Klage vor Gott. Denn die Bibel kennt auch die Klage, das Schreien in Not. Und lassen Sie uns nicht die Hoffnung aufgeben, dass sich Gottes Reich mit Gerechtigkeit und Friede, mit Heilung und Heil durchsetzt.

Bleiben Sie von Gott behütet!

Ihr
Martin Reppenhagen

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