Fastenspeise in schwierigen Zeiten 21.03.2022

Die Bösen, das Böse oder doch der Böse? Teil 3

Drei göttliche Strategien gegen das Böse in menschlicher Geschichte meine ich in der Bibel ausmachen zu können, die auf ihre Weise gegen die Übermacht des Bösen vorgehen und sich nicht alternativ verstehen. Und doch gibt es ein Gefälle unter den drei Strategien. Denn die ersten beiden Begrenzen zwar die Macht des Bösen, aber sie überwinden sie nicht. Daher ist die dritte Strategie die höchste unter ihnen.

Diese „Strategie“ zeigt sich bereits im Alten Testament, wenn Gott am Ende der Sintflut eine Taube schickt und sich der Regenbogen als Zeichen seines Bundes mit den Menschen erhebt. Gott erscheint schließlich als jener, der das Böse verhindert (1Mose 31,7) oder zum Guten wendet (1Mose 50,20). Gleichfalls bleibt der Mensch nicht außen vor. Er ist seiner Verantwortung nicht enthoben. „Lass ab vom Bösen und tue Gutes, suche Frieden und jage ihm nach“, heißt es in Psalm 34,15. Wir begegnen einerseits einem pessimistischen Menschenbild, dass der Mensch aus eigener Kraft heraus vom Bösen nicht lassen kann und nur Gott helfen kann, und andererseits der Aufforderung an den Menschen, das Gute zu suchen, das eben nur bei Gott selbst zu finden ist.

Im Neuen Testament begegnen wir im Vaterunser die uns geläufige Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“ (Mt 6,13) Damit ist das tiefe Vertrauen verbunden, dass der Herr erretten wird: „Der Herr aber wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich. Ihm sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ (2Tim 4,18)
Grundlage für ein solches Vertrauen ist das Handeln Gottes in und durch seinen Sohn Jesus Christus. In diesem Christus finden die Mächte des Bösen und des Todes ihre Grenze und ihr Ende.

Beispielhaft wird dies an der Versuchung Jesu durch den Teufel gezeigt (Mt 4,1-11), in der Austreibung von Dämonen (Mk 5,1-19) oder in den vielen Heilungsgeschichten. Indem Christus der teuflischen Versuchung widersteht und diese bis zum Tod am Kreuz durchhält, schließt er die Tür, die sich im Sündenfall im Paradies für das Böse in der Welt öffnete. Wenn man so will, stellt Christus die paradiesische Vertrauensbeziehung zwischen Gott und Mensch wieder her und ermöglicht dadurch ewiges Leben.

Die mit Christus verbundenen haben daher Anteil an der Entmachtung des Bösen und am durch Christus gegebenen ewigen Leben. Was so grundsätzlich und absolut klingt, steht gleichfalls in der Spannung, dass auch Christenmenschen bös denken und handeln können. So bleibt gerade für sie die stete Bitte des Vaterunsers: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse und von dem Bösen.“
Und damit wäre wiederum die Frage nach dem Bösen angesichts der vielen Bösen der Welt gestellt.

Bleiben Sie von Gott behütet!

Ihr Martin Reppenhagen
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