Fastenspeise in schwierigen Zeiten 15.03.2022

Fürchtet Gott, ehret den König.“ (1Petrus 2,17)

Wer unser Gesangbuch aufschlägt, findet im hinteren Bereich nach den Bekenntnissen der Kirche die Barmer Theologische Erklärung von 1934. Sie ist zwar kein Bekenntnis der Evangelischen Landeskirche in Baden und doch ein „wegweisendes Lehr- und Glaubenszeugnis der Kirche“ (EG 887). In Artikel 5 werden die Verantwortung des Staates sowie das Verhältnis von Kirche und Staat benannt. Hier wird festgehalten, dass dem Staat Jenseits von Eden in einer nicht erlösten Welt bestimmte Aufgaben zukommen, die dieser in den Grenzen eigener Einsicht und Vermögens ausübt. Dabei ist von „Recht und Frieden“ die Rede sowie von Machtausübung. Dem Staat kommt also eine besondere Bedeutung zu, wenn dieser das Zusammenleben von Menschen und zwischen Nationen regelt. Dabei ist nicht unerheblich in welcher Zeit das gesagt wurde, denn 1934 baute das Naziregime seine Machtposition in Deutschland aus, wurden die Ämter des Reichskanzlers und Reichspräsidenten unter Adolf Hitler vereint. Wo es zu Rechtsbeugung und Kriegstreiberei kommt, wird der Staat auf seine göttliche Anordnung und Aufgabe verwiesen, „für Recht und Frieden zu sorgen“. Gleichfalls wird damit auch das Recht auf Machtausübung samt Gewaltausübung ausgesprochen.

Es ist spannend, dies angesichts der aktuellen Diskussionen zu lesen. Und sich daran zu erinnern, dass Martin Luther sehr wohl den Angriffskrieg ablehnte und jeder Christ auf Gewalt verzichten solle, jedoch es um des Nächsten willen geboten sei, Gewalt auszuüben, wenn es darum geht, das Leben von Frauen und Kindern zu schützen. Kann es daher doch eine positive christliche Sicht auf Waffen geben?

Fürchtet Gott, ehret den König.“ (1Petrus 2,17)
Die Schrift sagt uns, dass der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat in der noch nicht erlösten Welt, in der auch die Kirche steht, nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen. Die Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an. Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Sie vertraut und gehorcht der Kraft des Wortes, durch das Gott alle Dinge trägt.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen. Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne sich die Kirche über ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche Würde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden.

Bleiben Sie von Gott behütet!

Ihr Martin Reppenhagen

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