Fastenspeise in schwierigen Zeiten 13.04.2022


Nachtrag zu Hiob

Wenn ich Hiob richtig gelesen habe, glaubt Hiob an Gott, obwohl dieser ihm nicht heilt, nicht hilft, nicht rettet. Überspitzt formuliert ist Gott ein Gott, der zu nichts nützt! Und doch hält Hiob an seinem Glauben fest. Hiob glaubt an Gott um Gottes willen. Sein Glauben orientiert sich nicht am Nutzen, sondern an der Person.

Das erinnert mich an einen Spruch, den ich kürzlich bei einer Radtour zur Eyachmühle las:

„Liebe mich dann, wenn ich es am wenigsten verdient habe, denn dann brauche ich es am meisten.“

Nun glaube ich nicht, dass Gott eine solche unverdiente Liebe nötig hat.

Und doch wird mir Hiobs Glaube zum Vorbild für einen Glauben an Gott, der Gott eben nicht auf seine Taten, auf seine Funktionen, auf seinen Nutzen reduziert. Allzu leicht könnte es passieren, dass mein Glaube zu einem Schönwetterglauben wird. Dann gibt es Gott für mich, wenn es mir gut geht. Dann gibt es eben Gott nicht, wenn es mir schlecht geht. Hiob durchbricht einen solchen Schaukelglauben. Selbst in der Not bleibt Gott für ihn Gott. Gleichfalls wendet er sich mit Klage und Anklage an Gott, aber er wendet sich an Gott.

Ein solcher Glaube wird dann hoffentlich auch fähig zu einer Liebe, wie sie der Spruch von der Eyachmühle beschreibt, die eben nicht danach fragt, ob der andere diese Liebe verdient hat, sondern danach fragt, ob der andere diese braucht.

Und ich merke, dass ich weder mit Hiobs Glauben noch mit einer solchen Liebe am Ende bin. Ich bin stets am Anfang mit ihr.

Bleiben Sie von Gott behütet

Ihr Martin Reppenhagen

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