Fastenspeise in schwierigen Zeiten 12.03.2022

Die Bösen, das Böse oder doch der Böse? Teil 1

Den Teufel oder den Bösen in Person haben wir abgeschafft. Denn an den Teufel mit dem Pferdefuß und Hörnern auf dem Kopf können und wollen wir nicht mehr glauben. Doch schon Goethe verwies auf unser Dilemma, wenn er im Faust dem Mephistopheles in den Mund legt: „Den Bösen sind sie los, die Bösen sind geblieben“. Wir mögen vielleicht nicht mehr an den einen Bösen glauben können, aber böses menschliches Handeln ist uns geblieben. Wie ist es also um den oder die Bösen gestellt in unserem Leben und in dieser Welt?

Bevor wir allerdings zu schnell den oder die Bösen in dieser Welt ausmachen, sollten wir uns an einen Ausspruch des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann erinnern: „Wer mit dem Zeigefinger allgemeiner Vorwürfe auf den oder die vermeintlichen Anstifter oder Drahtzieher zeigt, sollte daran denken, daß in der Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger zugleich drei andere Finger auf ihn selbst zurückweisen.“ (so in einer Fernsehansprache 1968)

„Ungeheuer ist viel. Doch nichts ungeheurer als der Mensch“, legt der griechische Dichter Sophokles dem Chor in seiner Antigone in den Mund. Der so vermeintlich gute Mensch bleibt doch ein Ungeheuer.

So gehört es wohl zu den schmerzhaftesten Erkenntnissen, dass der Mensch die schier grenzenlose Fähigkeit besitzt, unmenschlich zu handeln. Von einem Tier würden wir nie sagen, dass es sich untierisch verhält, doch vom Menschen kann eben dies gesagt werden, muss es gesagt werden. Dabei ist Unmenschlichkeit keine abstrakte Möglichkeit, sondern bittere Wirklichkeit. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und durch Menschenleben. Und ernüchtert müssen wir zugeben, dass sich alles Hoffen und Sehnen nach einem menschlichen Fortschritt vom Bösen zum Guten oder vom Schlechten zum Besseren nur schwerlich nachweisen lässt. Die Macht des Bösen hat was Unfassbares.

Ein Blick in die Bibel macht deutlich, dass die Inflation des Bösen in dieser Welt mit Misstrauen und Vertrauensverlust in Verbindung gebracht wird. Der Sündenfall nimmt da seinen Lauf, wo der Mensch Gott nicht mehr zutraut, es gut zu meinen. Der Austritt des Menschen aus der Gottesbeziehung und die damit verbundene menschliche Überhebung, selbst entscheiden zu können, was gut und böse ist, werden zum Einfallstor allen Übels. Weil der Mensch sein will wie Gott und darum meint, ohne Gott leben zu können, wird der Mensch zum Exerzierplatz des Todes.

Von daher ist es nicht überraschend, dass die biblische Geschichte auf einen Gott verweist, der sich auf den Weg gemacht hat, diesen menschlichen Missstand zu überwinden.

Bleiben Sie von Gott behütet!

Ihr Martin Reppenhagen

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