Fastenspeise in schwierigen Zeiten 10.04.2022


Traumata aus dem 2. Weltkrieg – wiederum sehr aktuell

»Es ist diese Wunde. Nur wenige Sekunden hat Erika Metzner sie damals gesehen. Trotzdem brannte sich das Bild in ihr Gedächtnis ein. Als fünfjähriges Kind erlebte die heute 70-Jährige den Einfall russischer Soldaten nach Kriegsende. Im heute polnischen Köslin wurde sie Augenzeugin von Lynchmorden und Scheinerschießungen.

›Wir wurden in einen Raum getrieben, wo uns alle Wertgegenstände abgenommen wurden‹, sagt sie. ›Ein Mann wollte seinen Ehering nicht hergeben. Da hat ihn der Soldat mit dem Gewehrkolben erschlagen. Einfach so.‹ Von dem, was danach geschah, ist ihr nichts in Erinnerung geblieben. Nur dieses blutende Loch, das den Blick auf das Gehirn freigab. Vollkommen unvorbereitet wurde die Rentnerin vor ein paar Jahren von dem Bild überwältigt, das plötzlich in ihr Bewusstsein zurückkehrte. Nacht für Nacht erlebte sie Dinge wieder, an die sie jahrzehntelang höchstens eine diffuse Erinnerung gehabt hatte. Diese überraschende Konfrontation mit ihrer Vergangenheit ließ sie schier verzweifeln.«

Christiane Teetz: Nachts kehrt der Schrecken zurück, in: Die Zeit Nr. 46 (11.11.2010), S. 48

Bleiben Sie von Gott behütet!

Ihr Martin Reppenhagen

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