Fastenspeise in schwierigen Zeiten 05.03.2022

Die apokalyptischen Reiter reiten wieder! Teil 3

Wie ein roter Faden zieht sich in den apokalyptischen Erzählungen und Visionen der Glaube durch, dass Gott in und hinter allem der Allwirksame und Allmächtige ist. So bekennen wir im apostolischen Glaubensbekenntnis „Gott, den Allmächtigen“. Es ist die einzige Eigenschaft Gottes, die hier im Glaubensbekenntnis benannt wird: „Gott ist allmächtig!“. Im Alten Testament ist es der „Gott Zebaoth“, der „Herr der Heerscharen“. Das sind starke und allumfängliche Aussagen. Damit wird Grundlegendes und Wichtiges über Gott festgehalten. In mittelalterlichen Kirchen begegnen uns Darstellungen von Christus, wie er als Pantokrator (Allmächtiger) auf dem Herrschaftsthron sitzt. Und die gesamte Erde gehört zu seinem Herrschaftsbereich.

Doch so stark diese Aussagen auch sind, werfen sie Fragen auf. Denn was ist mit Gottes Allmacht angesichts von persönlichem Leid, desaströsen Kriegen oder Nöten? Wie weit ist es mit Gottes Allmacht, wenn er nicht hilft oder schützt? Eine Frage, die uns schon zu Coronazeiten beschäftigte. So meinten einige, dass es eine Strafe Gottes, was wiederum andere auf den Plan rief, dass es definitiv keine Strafe Gottes sei. Und irgendwann hatte man den Eindruck, dass Gott so gar nichts mit Corona zu tun habe, dass es eine rein menschliche Verantwortung sei.

Kommt es wahrlich einer „menschlichen Verdunklung des Wirkens Gottes“ (Heinrich Bedford-Strohm) gleich, wenn auch im tiefsten Leid das Wirken Gottes gesehen wird? Ich gebe zu, dass mir die in der röm.-kath. Kirche in Coronazeiten neu aufgekommene Rede von der Heimsuchung Gottes hilft. Sie glaubt Gott in diesem Geschehen am Werk und begrenzt ihn nicht auf den Trost im Unheil. Damit ist auch geglaubt, dass eben Gott nicht nur trösten kann – das hoffentlich -, sondern auch Schicksal ändern und wandeln kann.

Denn als Allmächtiger ist Gott der Allwirksame. „Gott ist am Werk in allem, was geschieht, in Sonnenschein und Wolkenbruch, bei Geburt und Sterben, in Frieden und Krieg, im Jubel und Schrei“ (Siegfried Kettling). Damit nehme ich auf und ernst, was der Prophet Amos gewiss rhetorisch fragt: „Ist etwa ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht tut?“ (3,6). Martin Luther sprach hier vom verborgenen Gott, der uns mit seinem Handeln Rätsel aufgibt und uns gar erschrecken kann.

Indem ich glaube, dass Gott in allem wirksam ist, glaube ich, dass er alles wenden kann. Dann folge ich nicht einem Glauben, der mir stets meint sagen zu müssen, dass Gottes Aufgabe das Trösten sei und das Handeln alleinige Aufgabe des Menschen. Das unterschätzt Gott und überschätzt ja überfordert mich. Und wenn ich nun Gott das Wirken zuschreibe, lege ich nicht schicksalsgläubig die Hände in den Schoß. Vielmehr will ich glauben, dass Gott über Bitten und Verstehen hinaus handeln kann. Dafür will ich beten und handeln!

Ich lege den apokalyptischen Reitern das Zaumzeug der Hoffnung und des Glaubens an!

Bleiben Sie von Gott behütet!

Ihr Martin Reppenhagen

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