Fastenspeise in schwierigen Zeiten 04.03.2022

Die apokalyptischen Reiter reiten wieder! Teil 2

Nun habe ich sie benannt, die apokalyptischen Reiter der Johannesoffenbarung: Sie reiten wieder! Und ich habe mich an ein Buch mit sieben Siegeln gewagt. Dabei setze ich mich der kritischen Rückfrage aus, ob dieser Bezug angesichts der aktuellen Ereignisse legitim ist? Sind apokalyptische Deutungsmuster mit ihrem manchmal als zu simpel anmutenden Dualismus von Gut und Böse, Jetzt und Dann, Gericht und Rettung überhaupt angemessen? Sind die in ihnen zu findenden Bilder nicht allzu schrecklich? Was sollen und wollen wir mit spekulativen Endzeitszenarien?

Nüchtern halte ich fest, dass wir Jesus selbst ohne diesen Horizont gar nicht verstehen können. In seinen Reden begegnen uns apokalyptische Visionen von einem zukünftigen Gottesreich, Erzählungen von verstörenden Zeichen am Himmel und Himmelswesen. Und wer meint, dass die Darstellungen ans tiefste Mittelalter erinnern und wir diese Zeiten schon lange abgelegt haben, muss sich doch nur die Nachrichten und Kommentare dieser Tage anschauen. Wir haben diese Endzeitszenarien bereits – und das aus dem Mund respektabler Politiker und Nobelpreisträger. Sie schildern, was passiert, und benennen Szenarien, die nur erschrecken können. Wir haben die Bilder von ukrainischen Bürgern, die sich gegen gepanzerte Fahrzeuge der russischen Armee stellen. Wir sehen die Verzweiflung und den Kampf.

Ich muss die apokalyptischen Reiter nicht frei lassen. Sie sind schon frei gelassen und galoppieren davon. So lese ich auf ZDF.DE: „Nach Gespräch mit Putin – Macron sieht das Schlimmste noch bevorstehen. (…) Der Krieg in Europa findet nicht mehr nur in Geschichts- und Schulbüchern statt, er ist da.“ Dabei machen nicht erst die apokalyptischen Bilder Angst. Vielmehr ist die Angst angesichts der Realitäten schon da und fährt uns in die Glieder, geht uns an die Nieren.

Wir brauchen Deutungshilfen, die uns fähig machen, mit dem Unfassbaren umzugehen, eben darin bestehen zu können. Denn darin liegt doch die Kraft und Stärke der biblischen Apokalyptik. Sie sieht bei allem Toben der Kräfte einen anderen im Regiment. Die Offenbarung des Johannes mit all ihren schrecklichen Bildern versteht sich als Trostbuch. Denn durch alle Unheilsgeschichte hindurch entwickelt sich Gottes Heilsgeschichte.

Nicht die schrecklichen Bilder waren den ersten Hörern der Johannesoffenbarung neu. Diese erkannten sie in ihren eigenen Lebenswirklichkeiten. Das Neue und zu ihren Erfahrungen Gegenläufige war die Zusage, dass Gott in allem Widersprüchlichen zu seinem guten Ziel kommt.

Eben darauf will ich vertrauen und hoffen. Und ja, es gibt Zeichen der Hoffnung, wenn „humanitäre Korridore“ eingerichtet wurden, wie auch den Nachrichten zu entnehmen war.

Ich lege den apokalyptischen Reitern das Zaumzeug der Hoffnung und des Glaubens an!

Bleiben Sie von Gott behütet!

Ihr Martin Reppenhagen

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