Fastenspeise in schwierigen Zeiten 03.03.2022

Die apokalyptischen Reiter reiten wieder!

Die apokalyptischen Reiter tauchen immer wieder in der Weltgeschichte auf. Gewiss tauchen sie zuerst im letzten Buch der Bibel, in der Johannesoffenbarung, auf. Dort werden sie beschrieben. Und seither gibt es viele Versuche, diese in die eigene Zeitgeschichte einordnen zu können. Von Dürer bis Kadinsky haben sie Künstler inspiriert. Der US-amerikanische Psychologe John Gottmann verwendet sie in der Paartherapie unter dem Stichwort, was man tunlichst vermeiden sollte.

In letzter Zeit tauchen sie wieder auf. Mit Blick auf die Entwicklung unseres Klimas werden Zukunftsszenarien aufgezeigt, die nur erschrecken können. Die Leichensärge aus Bergamo hatten was Endzeitliches und Erschreckendes. Mit den russischen Truppen in der Ukraine verbunden mit entsprechenden Abschreckungsäußerungen aus dem Kreml reiten die apokalyptischen Reiter erneut – verbunden mit dem klassischen Schema „Gut gegen Böse“. Letzteres auch ein beliebtes Motiv von Herr der Ringe bis hin zu Game of Thrones.

Ob nun Klima-, Corona- oder Ukrainekrise, die Rufe nach einem schnellen und entschiedenen Handeln sind allgegenwärtig. Die Rettung der Welt hängt von uns ab. Und wer will die Gründe bestreiten? Ich will es jedenfalls nicht opportunistisch tun. Und doch will ich den entfesselten apokalyptischen Reitern ein Zaumzeug anlegen. Dabei meine ich, von der christlichen Apokalypse getragen zu sein. Keine Frage tun sich erschreckende Bilder auf – in den apokalyptischen Bildern der Bibel und in denen von heute. Sie können und dürfen gar nicht anders, als zu Erschrecken und Entsetzen führen. Und doch begleitet sie ein wichtiger Kontrapunkt, der nicht nur für die Kunst der Fuge so wichtig ist, sondern auch hier.

Es ist der Kontrapunkt der Hoffnung auf Gott. Es ist ein regelrechtes Anglauben gegen die wirkmächtigen Realitäten des Lebens. Es ist ein wahrlich trotziger Glaube. Es ist diese tiefe Überzeugung, dass Gott selbst Schicksale wenden kann und am Ende sein gutes Ziel mit unserer Geschichte und dieser Welt erreicht. Es ist die Hoffnung, dass Gott selbst diese dem Untergang geweihte Welt retten wird.

Manch einer nennt einen solchen Glauben einen vertröstenden, der sich gelähmt seinem Schicksal unterwirft. Der Blick auf die Geschichte des christlichen Glaubens zeichnet ein anderes Bild. Weil die Rettung der Welt in Gottes Hand liegt, müssen wir sie letztlich nicht retten. Denn dies übersteigt unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten.

Alle menschlichen Projekte dieser Art in der Geschichte sind gescheitert. Doch weil nur Gott uns retten kann und will, dürfen und können wir uns schon jetzt nach unseren Kräften für den Erhalt seiner Schöpfung, für das Wohl und Heil von Menschen sowie für Frieden und Gerechtigkeit dieser Welt einsetzen. Und in allem Tun dürfen wir uns ihm anbefehlen,

Ich lege den apokalyptischen Reitern das Zaumzeug der Hoffnung und des Glaubens an!

Bleiben Sie von Gott behütet!
Ihr Martin Reppenhagen

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