Fastenspeise in schwierigen Zeiten 02.03.2022

Als der Mittwoch zu einem Montag wurde

In diesem Jahr fiel der Aschermittwoch auf einen Montag. Die sich schon zu Coronazeiten nicht richtig einstellen wollende Ausgelassenheit wich nun gänzlich dem Entsetzen und der Sorge. Aus Faschingsumzügen wurden Friedensdemonstrationen. Die fünfte Jahreszeit wurde gänzlich von der vierten übernommen: Der Winter kommt. Der Winter ist gekommen. Und die bunten Jecken sind aschfahl geworden.

War es wohl bisher für uns nur ein Symbol, wenn in katholischer Tradition am Aschermittwoch ein Aschekreuz auf die Stirn gemacht wurde, geht es uns jetzt an die Nieren. Die Vergänglichkeit des Lebens ist uns bedrohlich nahegekommen. Den Menschen in der Ukraine ist sie offenkundig, wenn die Mächte des Todes entfesselt sind. Sie erleben es, wenn sie Zuflucht in Badewannen oder U-Bahnschächten suchen.

Und wir glaubten, dass die Zeiten des kalten Krieges, des Winters, vorbeiseien und sich der Frühling der Demokratie ausbreitet. Nun will ich hoffen, dass sich wie die Krokusse im Garten das Leben gegen jeglichen Tod durchsetzt. Und doch ist heute Aschermittwoch und es wird ein langer „Tag“ werden. Und mit ihm kommt die Erinnerung an die Vergänglichkeit des Lebens, die Erinnerung daran, wie durch menschliche Hybris der Tod in paradiesische Zeiten einzog, das schmerzhafte Wahrnehmen der Trennung zwischen Gott und Mensch. Es wird uns vor Augen gemalt.

So leitet der Aschermittwoch auch die Fastenzeit ein. Und so mancher denkt an Verzicht. Doch nicht der Verzicht ist das eigentliche der Fastenzeit als eine Zeit der Umkehr zu Gott. Fastenzeit ist Besinnungszeit auf Gott, neue und erneute Hinwendung zu Gott. Angesichts meiner eigenen Vergänglichkeit und meiner eigenen Schuld wende ich mich zu Gott, hoffe auf sein Eingreifen, seine Rettung. Und ich erkenne, wie andere Menschen unter meiner Schuld leiden. Ich sehe, wie andere – und ich selbst – unter fremder Schuld leiden. Und ich bete: „Herr, erbarme Dich!“

So hoffe ich, dass das Aschekreuz von diesem Mittwoch durch das Kreuz Jesu zu einem Lebenszeichen wird – für mich und noch viel mehr für diese geschundene Welt!

„Lass dir’s gefallen, HERR, mich zu erretten; eile, HERR, mir zu helfen!“ (Psalm 40,14) – und fange da an, wo Menschen unter der Macht anderer leiden, wo Hunger nah und Gerechtigkeit fern sind, wo menschlicher Wahn und menschliche Selbstsucht nur noch mehr Leiden schaffen. „Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not!“ (Paul Gerhardt).

Bleiben Sie von Gott behütet!

Ihr
Martin Reppenhagen

Gebet für Aschermittwoch (velkd.de)

Sei mir gnädig, barmherziger Gott.
Sei uns gnädig,
sei den Menschen in der Ukraine gnädig.

Tränen fließen in Strömen
und Schrecken durchdringt die Seelen.

Starr sind wir vor Angst und hilflos.
Der Frieden wird mit Füßen getreten
und das Recht vertrieben.

Wirst du uns halten?
Wirst du die Bedrängten auffangen?
Wirst du die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen?

Wir bitten dich um Schutz
für die vom Krieg überfallenen Menschen.

Kyrie eleison – EG 178.9 (Kyrie aus der orthodoxen Liturgie der Ukraine)

Wir bitten dich um Trost
für die Verzweifelten und Trauernden.

Kyrie eleison
Wir bitten dich um Rettung
vor denen, die den Tod bringen.

Kyrie eleison
Wir bitten dich um Sicherheit
für die Flüchtenden.

Kyrie eleison
Wir bitten dich um Klugheit
für die Liebhaberinnen und Freunde des Friedens.

Kyrie eleison
Wir bitten dich um Überwindung unserer engen Grenzen.
Wir bitten dich um Vergebung unseres Versagens.
Wir bitten dich um Gnade.

Kyrie eleison
Wir bitten dich um Wahrheit.
Wir bitten dich um Glauben.
Wir bitten dich um Frieden.

Sei mir gnädig, barmherziger Gott.
Sei uns gnädig.

Du wirst uns halten.
Darauf vertrauen wir in diesen Tagen
für uns und für alle Bedrängten und Verzweifelten
durch Jesus Christus, deinen Sohn und unseren Bruder.

Amen.

Archiv – Gedanken zur Tageslosung