BNN-Interview mit Eggensteins neuer Pfarrerin im Probedienst Alexandra Wetteskind

„Für Weihnachten

etwas Neues überlegen“

BNN-Interview von Alexander Werner mit Eggensteins neuer Pfarrerin im Probedienst Alexandra Wetteskind

Alexandra Wetteskind hat zu Monatsbeginn nach eineinhalbjähriger Vakanzzeit in der evangelischen Kirchengemeinde Eggenstein die Nachfolge von Pfarrer Christoph Lang angetreten. Die 31-Jährige stammt aus Tübingen, wuchs in Leverkusen auf und lebte dann eine Zeitlang bei Lörrach. Sie zog bereits Anfang August mit ihrem Mann Daniel ins Eggensteiner Pfarrhaus ein. BNN-Mitarbeiter Alexander Werner sprach mit ihr über ihre ersten Eindrücke und Vorstellungen.

Wie sah Ihr bisheriger Berufsweg aus?

Wetteskind: Ich hatte bis 2017 evangelische Theologie in Heidelberg studiert. Dann absolvierte ich mein zweijähriges Vikariat in der Lukasgemeinde in der Karlsruher Weststadt. Nach der Ordination begann ich als Pfarrerin in Probe in Ubstadt-Weiher. Da aber das dortige Pfarrhaus nicht fertig ist, pendelte ich ein Jahr lang täglich von Karlsruhe aus. Dort wohnte ich seit 2016. Zu pendeln aber verträgt sich nicht gut mit dem Beruf. Denn man kann nicht richtig in seiner Gemeinde ankommen.

Wie kamen Sie nach Eggenstein?

Wetteskind: Mir wurde die Stelle vom Evangelischen Oberkirchenrat
vorgeschlagen. Eggenstein kannte ich zuvor nur vom Namen her. Insofern
schaute ich mir vorab den Ort an und beschäftigte mich intensiver mit ihm.
Eggenstein gefiel mir sofort sehr. Kirche und Kirchplatz sind wunderschön. Sehr günstig ist auch die Nähe zu Karlsruhe, da mein Mann dort arbeitet. Dann lernte ich den Kirchengemeinderat und Gemeindediakonin Jennifer Ellinger kennen. Das entwickelte sich so nett und positiv, dass ich mich total auf die Zusammenarbeit freue. Wie es nach einem Jahr weitergeht, werden dann der Kirchengemeinderat und ich entscheiden. Ich könnte mir aber schon jetzt vorstellen, danach hier zu bleiben.

Welchen Eindruck machte die Gemeinde auf Sie nach der Vakanz?

Wetteskind: Mein Eindruck war gut. Ich erlebte einen sehr engagierten
Kirchengemeinderat. Er ist sehr aktiv und motiviert, Dinge anzupacken. Die
Corona-Krise machte die Arbeit sicher nicht einfacher. Alles wurde heruntergefahren und Gottesdienste fanden vorerst nicht mehr statt. An sich ist es immer etwas schwierig, wenn über eine längere Phase hinweg keine feste Person für die Gottesdienste zuständig ist. Ein großer Vorteil war, dass Jennifer Ellinger die komplette Vakanzverwaltung innehatte. Sie verfügt auch über ein gutes Netzwerk und macht auch eine sehr gute Jugendarbeit. Am besten gefiel mir, wie viel Lust, Energie und Ideen in der Gemeinde zu spüren sind. Das motiviert wiederum mich selbst sehr.

Was haben Sie sich für Ihre Anfangszeit vorgenommen?

Wetteskind: Das wird auch insofern spannend, als ich noch in meiner bisherigen Gemeinde einiges zu Ende bringen muss wie beispielsweise die Konfirmation. Ich möchte jetzt zuerst schauen, wie alles läuft und mich in den Gemeindealltag und die Abläufe hinein finden. Jetzt steht auch der Schulbeginn bevor. In der Lindenschule werde ich vier Stunden pro Woche Religionsunterricht geben.

Was kommt dann?

Wetteskind: Ich habe total Lust darauf, mir beim Gottesdienst alternative Konzepte zu überlegen. Ich möchte dabei versuchen, sie auch für jüngere Leute anziehender zu machen. Das betrifft wesentlich die Gestaltung. Ich bin ein Fan von moderner Musik. Ich schätze die Orgel sehr. Aber sich zu sehr darauf zu konzentrieren, ist nicht mehr zeitgemäß. Auch Gottesdienstzeiten kann man flexibler handhaben. Es muss nicht immer nur sonntags um 10 Uhr stattfinden.

Wie sieht es mit Gemeindegruppen aus?

Wetteskind: Da gibt es schon sehr viel hier. Wir müssen schauen, was wegen
Corona überhaupt stattfinden kann und machbar ist. Die Frage ist, wie es sich bis in den Winter hinein weiterentwickelt. Mit den Einschränkungen müssen alle Menschen leben. Wesentlich ist, in dieser Situation umso kreativer zu sein. Für Weihnachten müssen wir uns etwas Neues überlegen. Das steht jetzt absehbar an. Grundsätzlich ist mir wichtig, dass der Glauben einladend gelebt wird, die Menschen den Glauben leben und entdecken können. Dazu gehört, dass es auch Zweifel gibt und dass es Fragen geben darf und soll. Für mich bedeutet es eine Herausforderung in der Kirche, dass wir vom Glauben erzählen. Glauben und Kirche sind in der heutigen Zeit gewiss kein Auslaufmodell.

Wie sehen Sie in Eggenstein-Leopoldshafen traditionell gut gepflegte Ökumene?

Wetteskind: Ökumene ist mir ein wichtiges Anliegen. In Ubstadt-Weiher waren wir Evangelische in der Minderheit. Die Zusammenarbeit mit den Katholiken habe ich dort mit sehr viel Freude erlebt. Ich wünsche mir, dass dies auch hier so sein wird. Auch dabei möchte ich mit meinem evangelischen Kollegen Matthias Boch in Leopoldshafen wie bei anderen Themen zusammenarbeiten.

Offiziell vorgestellt wurde Alexandra Wetteskind im Gottesdienst mit Dekan-Stellvertreter Matthias Boch am Sonntag, 13. September, in der evangelischen Kirche Eggenstein.

Quelle; Interview mit Eggensteins Pfarrerin Alexander Wetteskind https://webreader.bnn.de/ws/bnn/bnn_bnn_hardt/issu…
14.09.2020