Bezirkssynode Linkenheim

Gemeindehäuser auf Prüfstand

Masterplan zu kirchlichen Liegenschaften steht im Bezirkskircherat zum Beschluss an

Linkenheim-Hochstetten (awe). Bereits vor neun Jahren setzte die badische Landskirche einen Prozess zur besseren Ressourcenverteilung in Gang. Eingebettet sind darin Steuerungselemente für Kindertagesstätten, Personalentwicklung und Liegenschaften bei einer Stärkung der mittleren Ebene. Entsprechend den Vorgaben startete in der Folge das Liegenschaftsprojekt im evangelischen Kirchenbezirk Karlsruhe-Land. Bei der jetzigen Tagung der Bezirkssynode in Linkenheim-Hochstetten präsentierte Dekan Martin Reppenhagen die Vorlage für einen auf zehn Jahren angelegten Masterplan. Ende des Monats wird er dem Bezirkskirchenrat zum Beschluss vorliegen.

„Wie geht es mit unseren Liegenschaften weiter?“, sei eine schmerzliche Frage, betonte Reppenhagen zum Schwerpunktthema. Denn sie sei damit verbunden, wie diese künftig finanziert werden könnten. Im Fokus stehen dabei die 31 Gemeindehäuser im Bezirk. Die Pfarrhäuser sollen laut Beschlussvorlage weiter als solche genutzt werden. Alle Gotteshäuser werden bis auf Weiteres als A-Kirchen geführt. Anders sieht es bei den Gemeindehäusern aus. Zu diesen wurde gemäß Vorgabe der Landessynode aufgenommen, dass die Flächenzuweisungen nach Gemeindegröße ohne Änderungen weitergegeben werden. In der Konsequenz werden Zuschüsse für Umbau- und Renovierungsvorhaben nicht mehr nach Ist-Werten der Gebäude berechnet, sondern nach Mitgliederzahlen der Gemeinden. Damit ergeben sich vielfach Überflächen, wie eine Datenerhebung von 2018 detailliert erkennen lässt.

Bezuschusst aber wird nach zugewiesenen Flächen. Für viele Gemeinde ergäben sich bei sinkenden Einnahmen höhere Kosten, die im Haushalt auszugleichen seien, resümierte Reppenhagen. Eine Lösung sei Rückbau. Exemplarisch dafür steht Linkenheim. Die Gemeinde war schon vorzeitig darangegangen, ein neues Gemeindehaus mit um die Hälfte reduzierter Fläche zu bauen. Das sei mit Herausforderungen verbunden gewesen und das Ergebnis könne sich sehen lassen, so Reppenhagen. Rückbau sei allerdings nicht überall möglich. Eine kombinierte Nutzung etwa mit einem Kindergarten wie in Berghausen, stehe für eine weitere mögliche Lösung. Wenn eine Kooperation auch mit anderen Trägern so nicht umsetzbar sei, werfe das die grundsätzliche Frage auf „Welche Gebäude können und wollen wir uns noch leisten?“. Dem werde man sich künftig und zunehmend stärker stellen müssen. Gemeinden, in denen umfangreiche Sanierungen anstünden, müssen sich auch fragen, was längerfristig in 20 Jahren angesichts des demografischen Wandels und der Kirchenaustritte noch gebraucht werde.

Acht Häuser durchweg größerer Gemeinden werden in der Vorlage als bezirklich und regional besonders relevant benannt. Sie erhalten zweckgebunden für Substanzerhaltrücklagen jährlich jeweils einen Flächenausgleichsbetrag von 1000 Euro sowie feste Kostenerstattungen für Bezirksveranstaltungen. Über die Flächenzuweisungen ergeben sich im Umfang von 339 Quadratmetern Unterflächen, die in einen Bezirkstopf fließen. Diese werden an die acht Gemeinden verteilt. Angesichts der überschaubaren Dimension lösen sie Probleme von Überkapazitäten jedoch nicht. Ein Beispiel gibt Graben-Neudorf, das – nach dem zudem massiv sanierungsbedürftigen Gemeindehaus in Weingarten – bei Überkapazitäten vorne steht. Dort beschloss die Kirchengemeinde, das Neudorfer Begegnungszentrum Hebelhaus komplett aus einer Bezuschussung herauszunehmen. Bei insofern bei der Zuweisung abgezogener Fläche profitiert damit das Grabener Henhöferhaus, das derzeit in der Endphase aufwändig renoviert wird. Die Aussprache zur Beschlussvorlage gestaltete sich in der beratenden Synode angesichts des Projektverlaufs und schlüssig ausgearbeiteten Konzepts kurz.

 

Foto: Alexander Werner

Absehbar abgeschlossen wird die Renovierung des Grabener Henhöferhauses. In den Masterplan des Kirchenbezirks für Liegenschaften wird es als regional besonders relevant aufgenommen.